Tierärztliche Klinik für Kleintiere

  Dr. Gröschl, Dr. Lautersack
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Das mediale Compartmentsyndrom beim Hund

Die Ellbogenerkrankung des Hundes wird in folgende Untergruppen geteilt:

  1. Die am häufigsten auftretende Form des „Fragmentierten Prozessus coronoideus medialis“ (FCP oder FPC).
  2. Die seltenere „Osteochondrosis“ und „Osteochondrosis dissecans“ (OCD).
  3. Der vor allem beim Schäferhund, aber auch bei weiteren Rassen auftretende „Isolierte Prozessus anconaeus“ (IPA).

Heute wird der am häufigsten auftretende FCP, der allgemein mit der Ellbogendysplasie (ED) gleichgesetzt wird, in viele unterschiedliche Untergruppen aufgeteilt. Während man bis vor einigen Jahren die Entstehung des FCP als bekannt ansah, gilt die Erkrankung mit ihren zahlreichen Varianten heute als ursächlich weitgehend unverstanden, obwohl man inzwischen viel mehr über diese Erkrankung weiß.

Im Zuge des besseren Verständnisses der Erkrankung in den letzten Jahren wurde eine neue, eigenständige Erkrankung beschrieben, die früher dem FCP und seiner Entstehung zugeordnet wurde: Das „Mediale Compartmentsyndrom“, das häufig mit dem FCP auftritt, jedoch keinen ätiopathologischen Zusammenhang mit diesem besitzt.

Beim „Medialen Compartmentsyndrom“ handelt es sich um eine Überlastung des inneren, zum Körper hin gelegenen Gelenksanteils des Ellbogens, die zum Abrieb und letztlich zum vollständigen Verlust der Knorpelschicht im medialen (inneren) Anteil von Oberarm und Elle führt. Durch das aufeinander Reiben von Oberarm und Elle ohne zwischenliegende Knorpelschicht kommt es zu massiver Irritation des Gelenks, die zu Schmerzen und Arthrosen führt. Daraus resultiert letzlich eine dauerhafte und zunehmende Lahmheit des Hundes.

Kleintierklinik Ettlingen Medial Compartmentsyndrom

Abb. 1 (von Noel Fitzpatrick): Innen gelegener Anteil des Oberarms. Der offen liegende Knochen ist an der dunkelrosa Farbe und der Rauheit gut zu erkennen. Im Hintergrund ist normaler Knorpel sichtbar, der den mittleren und äußeren Anteil des Oberarmknochens im Ellbogengelenk bedeckt.

Dieser Knorpelabrieb der inneren Gelenksanteile ließ sich bislang nur mit Schmerzmitteln und Physiotherapie und im Endstadium mit einer Versteifung oder dem Einsatz eines künstlichen Ellbogengelenks beheben. Bei konservativer Therapie mit Schmerzmitteln und Physiotherapie ließ sich jedoch meist nur ein zeitweiser Erfolg erreichen. Die Versteifung oder das künstliche Ellbogengelenk bringen beide schlechte klinische Ergebnisse, da die Tiere in beiden Fällen einen stark veränderten Bewegungsablauf zeigen.

Heute besteht mit der „Sliding Humeral Osteotomy“ (SHO) eine Operationstechnik, die für Patienten mit weit fortgeschrittenen Schäden am Ellbogengelenk entwickelt wurde. Die SHO ist einem Operationsverfahren beim Menschen nachempfunden, bei dem der stark geschädigte innere Kniegelenksanteil entlastet wird.

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Abb.2 (nach Noel Fitzpatrick): Auf der Innenseite des Oberarms wird eine patentierte Platte angebracht, die einen zentralen Knick hat. Nach Fixation der Platte wird der Oberarmknochen durchtrennt und der Knochen endgültig an der Platte fixiert. Über ca. 12 Wochen verheilt der Knochen üblicherweise wieder.

Seit 2005 wird die SHO beim Hund angewandt und technisch verbessert, so dass seit 2007 die ausgereifte 3 Generation von Implantaten zur Verfügung steht und seit 2009 die Technik soweit verbessert werden konnte, dass die Komplikationsquote auf 4 % der behandelten Tiere gesenkt wurde.

Bei Hunden, die am „Medialen Compartmentsyndrom“ erkrankt sind, spricht man vom Humero-Ulnaren Konflikt, was bedeutet, dass die Elle und der Oberarm schlecht zueinander stehen. Bei diesen Patienten verläuft die Gliedmaßenachse und damit die Belastung nicht im Knochen, sondern innen am Knochen vorbei. Durch diese Verschiebung der Belastung wird der innenliegende Knorpel übermäßig belastet und stirbt mit der Zeit ab.

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Abb.3 (nach Noel Fitzpatrick): Der rote Pfeil symolisiert die Belastung, die auf der Innenseite des Knochens zum Ellbogen geleitet wird und dadurch den inneren Anteil des Ellbogengelenks massiv überlastet.
Der grüne Pfeil symolisiert die Kraft nach der Korrektur. Die Belastung wird auf den gesunden und widerstandsfähigeren äußeren Gelenkanteil verschoben, die kaputte Innenseite wird entlastet und kann sich erholen.

Durch eine Korrektur der Belastungsachse wird die Kraft wieder in den Knochen und auf den äußeren Ellbogengelenkanteil verschoben, so dass der innere Gelenksanteil entlastet wird. Durch diese Entlastung kommt es bei den meisten Hunden zu einer starken Verbesserung der Lahmheit, die im Gegensatz zu anderen Methoden, wie der totalen Coronoidektomie, im Allgemeinen dauerhaft ist. Da der Knorpel im außen gelegenen Gelenksanteil dicker und belastungsstabiler ist, wurden bis heute bei keinem Hund Knorpelschäden im äußeren Bereich nach dieser Korrektur gesehen. Durch arthroskopische Kontrollen wurde nachgewiesen, dass am inneren Gelenksanteil des Oberarms neuer und gesunder Knorpel entsteht, so dass die Reibung und damit die Reizung des Gelenks wieder weitgehend normalisiert wird.

Die SHO wird neben der Behandlung beim „Medialen Compartmentsyndrom“ inzwischen auch bei der Behandlung der großflächigen OCD angewandt.

Bei der Sliding Humeral Osteotomie (SHO) handelt es sich wie bei der TPLO oder TTA am Kniegelenk um eine modifizierende Osteotomie.

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Abb. 4 (nach Noel Fitzpatrick): Zustand nach Operation und Ausheilung nach 12 Wochen.

Die SHO kann damit als die TPLO des Vorderbeins gesehen werden. Sie entspricht den modernen, biomechanischen Operationsverfahren am Kniegelenk, die heute als Standard gelten.

Die „Sliding Humeral Osteotomie“ ist ein patentiertes Verfahren, das nur nach entsprechenden Kursen angewendet werden darf. Wir sind seit 2010 für dieses Verfahren zugelassen.

Fragen Sie uns, wir beraten Sie gerne.



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