Tierärztliche Klinik für Kleintiere

  Dr. Gröschl, Dr. Lautersack
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Fragmentierter Processus Coronoideus Medialis Ulnae (FCP)

Ätiologie und Pathogenese

Der fragmentierte Processus coronoideus medialis ulnae (FCP) wird der Ellbogendysplasie zugerechnet, zu der auch der isolierte Processus anconaeus (IPA) und die Osteochondrose (OCD) des Humeruskondylus zählen.

Obwohl die Ätiologie noch nicht vollständig geklärt ist, muss von einer enchondralen Ossifikationsstörung (OCD) am Processus coronoideus medialis ulnae ausgegangen werden, die unter starker Belastung zur Knorpeldegeneration, Fissurbildung oder Fragmentierung führt. Daneben wird eine Inkongruenz zwischen Radius und Humerus sowie Radius und Ulna, die während des Wachstums auftreten kann, als mögliche Ursache der Überbelastung diskutiert.

Vorkommen

Der FCP gehört wie die OCD zu den häufigsten Lahmheitsursachen junger Hunde. Die Erkrankung kommt bei Hunden mittelgroßer und großer Rassen vor. Besonders betroffen sind Labrador und Golden Retriever, Berner Sennenhund, Deutscher Schäferhund, Riesenschnauzer, Neufundländer und Rottweiler. Männliche Tiere erkranken etwa doppelt so häufig wie weibliche.

Anamnese und klinische Symptomatik

Der FCP führt zu gering- bis hochgradiger Lahmheit, abhängig von der Größe des Fragments, der Aktivität des Hundes und der Dauer der Erkrankung. Bei beiderseitiger Erkrankung werden steifer Gang und Bewegungsunlust beobachtet. Die klinische Symptomatik wird nach stärkerer Belastung oder längerer Ruhe deutlicher. Mit der Dauer der Erkrankung verstärken sich die sekundären Schäden im Gelenk, so dass mit zunehmender Verschlechterung des klinischen Bildes zu rechnen ist.

Diagnostik und Differentialdiagnostik

Durch die klinische Untersuchung kann die Diagnose "Ellbogendysplasie" gestellt werden. Die weitere Differenzierung ist klinisch meist nicht möglich. Als Standard für die weiterführende Diagnostik gilt die röntgenologische Untersuchung. Standardaufnahmen des Ellbogengelenks in 2 Ebenen sind in den meisten Fällen zur Diagnosesicherung ausreichend. Da der direkte Nachweis eines freien Fragments häufig nicht möglich ist, kommt dem indirekten Nachweis der Erkrankung große Bedeutung zu. Neben arthrotischen Zubildungen, die auf dem Processus anconaeus beginnen und auf die übrigen Gelenkanteile übergreifen, ist in fast allen Fällen bereits im frühen Erkrankungsstadium eine Verdichtung der Knochenstruktur hinter dem Processus coronoideus medialis nachweisbar. Häufig ist die Spitze des Processus coronoideus medialis deformiert oder nicht mehr klar abgrenzbar.

Ellbogen seitlich   Ellbogen ventro-dorsal
Labrador, 1 Jahr, Ellbogen seitlich:
Deutliche Knochenverdichtung hinter dem medialen Coronoid mit Verlust der Bälkchenstruktur (Pfeil). Die Spitze des Coronoids ist auf Grund der verminderten Dichte nicht mehr vollständig abgrenzbar.
  Selber Hund, Ellbogen ventro-dorsal:
Auf der Innenseite des Gelenks ist das freie Fragment (FCP) sichtbar (Pfeil).

Durch die Computertomografie kann der FCP direkt dargestellt werden

Ellbogen seitlich    
Selber Hund wie oben:
Die defekte Spitze des Coronoids (FCP, Pfeil) ist deutlich zu sehen.
   

Diese Technik ist der konventionellen röntgenologischen Untersuchung überlegen, wobei sich die notwendige Narkose sowie die höheren Kosten limitierend auf den Einsatz auswirken.

Therapie und Prognose

Durch den FCP entsteht eine chronisch entzündliche Reaktion des Gelenks, die konservativ nur mit unbefriedigenden Langzeitergebnissen behandelt werden kann. Neben Antiphlogistika und Analgetika sollte die Gewichtsreduktion im Vordergrund stehen und der Hund kontrolliert bewegt werden. Die Therapie der Wahl ist die operative Entfernung des Knochenteilchens aus dem Gelenk. Nur durch diesen Eingriff kann das Gelenk auch über lange Zeit funktionsfähig erhalten werden. Bei der operativen Therapie wird das Fragment gelöst und entfernt. Der nekrotische Knochen wird durch entfernt und die Bruchkanten geglättet. Der Eingriff kann als Arthrotomie (Aufschneiden des Gelenks) oder Arthroskopie (Operation über eine kleine Sonde und Betrachtung der Operation auf dem Bildschirm) erfolgen. Die Arthrotomie am Ellbogengelenk wird heute noch vielerorts durchgeführt, ist aber wie in der Humanmedizin auf Grund der deutlich größeren Weichteilschäden und der damit verbundenen Gelenksreizung nicht mehr die Therapie der ersten Wahl.

Die zur Zeit schonendste Methode zur Operation des FCP ist die Arthroskopie. Über einen etwa 0,5 cm langen Schnitt wird eine Optik in das Gelenk eingeführt, über die der gesamte Gelenksbereich untersucht werden kann. Dabei ist nicht nur die Beurteilung der einzelnen Gelenkstrukturen deutlich besser, sondern es können auch Bereiche eingesehen werden, die bei der üblichen Eröffnung des Gelenks auf Grund der Enge nicht sichtbar sind. Anschließend wird über einen zweiten, gleich langen "Stich" ein Arbeitskanal in das Gelenk eingeführt, über den das Gelenk operiert wird.

Durch die Arthroskopie

  • laufen die Patienten deutlich schneller wieder lahmheitsfrei
  • wird das Gelenk wird erheblich weniger gereizt
  • bestehen deutlich geringere postoperative Schmerzen
  • ist die Zuverlässigkeit des Eingriffs durch die bessere Übersicht erheblich besser

Die Prognose für die Wiederherstellung der Funktion des Ellbogengelenkes muss sehr individuell gestellt werden. Prognostisch negative Faktoren sind: Bestehendes Übergewicht, zusätzlich erkrankte Gelenke, Dauer der Erkrankung und vorhandene Knorpelschäden an Ulna- und Humerusgelenkfläche ("Kissing Lesions"). Die chronische Reizung der Synovia und des Knorpels führt zur degenerativen Erkrankung des Gelenkes, die als sich selbst unterhaltende Folgeerkrankung den weiteren Verlauf maßgeblich negativ bestimmt.



Sehen Sie hier ein Video zum Thema:



Video Tierklinik Ettlingen

Arthroskopie beim Labrador, 7 Monate.
Teil 1 (vor OP)
Teil 2 (nach OP)




Video Tierklinik Ettlingen

Arthroskopie beim Weimaraner, 1 1/2 Jahre.
Teil 1 (vor OP)
Teil 2 (nach OP)



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